Fine-Tuning vs. RAG: Was wann einsetzen?
Entscheidungshilfe: Wann ist Fine-Tuning sinnvoll, wann RAG? Vorteile, Nachteile und Praxisempfehlung.
Worum geht es?
Du willst ein LLM mit deinem eigenen Wissen anreichern? Dann stehst du vor der Entscheidung: Fine-Tuning oder RAG? Die Antwort hängt von deinem konkreten Anwendungsfall ab.
Was bringt Fine-Tuning?
Beim Fine-Tuning trainierst du ein vortrainiertes Modell mit eigenen Daten weiter. Es lernt neue Muster, Stile oder Fachbegriffe.
Vorteile:
- Das Modell versteht domänenspezifische Sprache nativ
- Konsistenter Stil und Tonfall
- Keine Latenz durch Dokumentensuche
Nachteile:
- Teuer und aufwändig (GPU-Ressourcen, Datenaufbereitung)
- Wissen ist "eingebacken" — Updates erfordern neues Training
- Risiko von Catastrophic Forgetting
Was bringt RAG?
Bei RAG versorgst du das Modell zur Laufzeit mit relevanten Dokumenten aus einer Wissensdatenbank.
Vorteile:
- Wissen ist sofort aktualisierbar (Dokumente austauschen)
- Quellen sind nachvollziehbar und zitierbar
- Kein teures Modell-Training nötig
- Weniger Halluzinationen durch Quellenbasierung
Nachteile:
- Zusätzliche Infrastruktur (Vektor-DB, Embedding-Pipeline)
- Qualität hängt von der Retrieval-Qualität ab
- Höhere Latenz durch den Suchschritt
Wann was? Die Entscheidungshilfe
| Kriterium | Fine-Tuning | RAG |
|---|---|---|
| Wissen ändert sich häufig | ❌ | ✅ |
| Quellennachweise wichtig | ❌ | ✅ |
| Spezifischer Stil/Tonfall | ✅ | ❌ |
| Geringe Latenz kritisch | ✅ | ❌ |
| Budget begrenzt | ❌ | ✅ |
| Große Dokumentenmengen | ❌ | ✅ |
Meine Empfehlung
Starte mit RAG. Es ist schneller implementiert, günstiger und flexibler. Fine-Tuning wird erst relevant, wenn RAG an seine Grenzen stößt — z.B. bei sehr spezifischen Domänen mit eigenem Vokabular.
Oft ist die beste Lösung eine Kombination: Ein leicht fine-getuntes Modell plus RAG für aktuelle Informationen.